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Multiples Myelom

Das Multiple Myelom ist eine bösartige Erkrankung der Plasmazellen im Knochenmark und gehört zu den Krebserkrankungen des blutbildenden Systems. Das Multiple Myelom entsteht durch die bösartige Veränderung einer Plasmazelle, die sich im Knochenmark ungebremst vermehrt.

Das Wichtigste in Kürze

Das Multiple Myelom ist eine bösartige Erkrankung der Plasmazellen im Knochenmark und gehört zu den Krebserkrankungen des blutbildenden Systems. Das Multiple Myelom entsteht durch die bösartige Veränderung einer Plasmazelle, die sich im Knochenmark ungebremst vermehrt. Sind mehrere Krankheitsherde, d. h. mehrere Stellen im Knochenmark, vorhanden, so spricht man von einem Multiplen Myelom. Ist hingegen nur ein einzelner isolierter Krankheitsherd aus entarteten Plasmazellen vorhanden (in der Regel ein Krankheitsherd ohne Befall des Knochenmarks), wird dies als Plasmozytom bezeichnet. Diese krankhaft veränderten Plasmazellen vermehren sich unkontrolliert im Knochenmark und können sehr große Mengen bzw. Bruchstücke bestimmter Antikörper produzieren, die Paraproteine heißen. Diese sind nicht funktionstüchtig, wodurch die Immunabwehr geschwächt wird. Die bösartigen, entarteten Plasmazellen werden auch als Myelomzellen bezeichnet. Sie produzieren Stoffe, die eine Auflösung der Knochensubstanz verursachen, was zu verringerter Knochenstabilität und zu Knochenbrüchen führen kann. Bei wenig ausgeprägter Erkrankung treten häufig nur mäßige oder keine Symptome auf. Im weiteren Verlauf können allgemeine, uncharakteristische Beschwerden wie Müdigkeit und häufige Infektionen, aber auch Knochenschmerzen und Knochenbrüche auftreten.

Ehepaar am Strand

Das Multiple Myelom tritt überwiegend bei Patienten in einem höheren Lebensalter auf1. Die Erkrankung ist in der Regel zwar nicht heilbar, lässt sich jedoch in vielen Fällen zurückdrängen, sodass die Betroffenen eine gute Lebensqualität erreichen. Ziele der Behandlung des Multiplen Myeloms sind die Symptomkontrolle, das Zurückdrängen der Erkrankung und das Erreichen einer langanhaltenden Kontrolle der Erkrankung (Langzeitremission). Zusammengefasst soll durch die Therapie erreicht werden, dass Betroffene eine möglichst lange Zeit frei von spürbaren Symptomen und ohne eine Verschlimmerung der Erkrankung (progressfrei) leben können.

Auch wenn die Diagnose Multiples Myelom erst einmal ein Schock ist, lassen Sie sich nicht entmutigen – eine positive Grundeinstellung hilft auch im Umgang mit der Krankheit. Nehmen Sie Ihre regelmäßigen Arzttermine wahr. So können Sie dazu beitragen, Ihren Krankheitsverlauf möglichst positiv zu beeinflussen.

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Entstehung

Unser Blut setzt sich aus vielen verschiedenen Zellen zusammen, die wir mit bloßem Auge ohne Vergrößerung gar nicht erkennen können. Zu den Blutzellen unseres Körpers zählen die roten Blutkörperchen (Erythrozyten), die Blutplättchen (Thrombozyten) und die weißen Blutkörperchen (Leukozyten). Die roten Blutkörperchen sind wichtig für den Transport des Sauerstoffs im Blut. Die Blutplättchen brauchen wir, um Wunden nach Verletzungen zu verschließen und zu heilen. Die weißen Blutkörperchen dienen zum Schutz des Körpers vor Infektionskrankheiten, beispielsweise vor Bakterien und Viren. Zur Gruppe der weißen Blutkörperchen zählen die natürlichen Killerzellen, die T-Lymphozyten und die B-Lymphozyten. Die Bildung und Reifung der Blutzellen erfolgen im inneren Teil unserer Knochen. Das Knochenmark ist ein schwammartiges, stark durchblutetes Gewebe, welches die Hohlräume im Inneren vieler unserer Knochen ausfüllt, zum Beispiel die des Beckenknochens. In diesem Innenraum befinden sich die Vorläuferzellen, aus denen später die verschiedenen Blutzellen entstehen können.

Multiples Myelom

Beim Multiplen Myelom liegen Erbgutveränderungen in den Plasmazellen vor

Das Multiple Myelom kennzeichnet bösartige Veränderungen (Mutationen) im Erbgut bestimmter B-Lymphozyten im Knochenmark. Die B-Lymphozyten sind die bereits erwähnten Plasmazellen. Diese Plasmazellen spielen eine wichtige Rolle bei der Immunabwehr. Wenn Krankheitserreger (z. B. Bakterien) in unseren Körper gelangen, produzieren die Plasmazellen Antikörper, auch Immunglobuline genannt, die bei der Bekämpfung helfen. Es gibt verschiedene Plasmazellen, die alle unterschiedliche Antikörper produzieren. Ist ein Krankheitserreger in den Körper eingedrungen, wird eine bestimmte Art von Plasmazelle aktiviert, die daraufhin ihren spezifischen Antikörper produziert. Dieser markiert den Krankheitserreger, damit er von der Körperabwehr erkannt und zerstört werden kann. Somit ist jede Plasmazelle auf einen bestimmten Krankheitserreger „spezialisiert“ und produziert den entsprechenden Antikörper. Beim Multiplen Myelom ist eine dieser Plasmazellen erkrankt, die nur einen spezifischen Antikörper produziert. Als Folge der Veränderungen in der Erbinformation vermehren sich diese Zellen unkontrolliert und produzieren nun große Mengen dieses Antikörpers oder Bruchstücke des Antikörpers, die auch Paraproteine genannt werden. Die Paraproteine sind jedoch funktionslos und können daher nicht helfen, Krankheitserreger zu erkennen und zu bekämpfen. Die Veränderung im Erbgut betrifft nur eine bestimmte Plasmazelle und folglich auch nur eine Art Antikörper. Aus diesem Grund spricht Ihr Arzt auch von monoklonalen Plasmazellen bzw. Antikörpern.

Wie wirkt sich die Erkrankung auf den Körper aus?

Die starke Vermehrung der bösartigen Plasmazellen (Myelomzellen) und die Produktion der Paraproteine haben direkte Folgen auf viele Teile des Körpers. Genauere Informationen zu den möglichen Symptomen finden Sie unter Symptome und Diagnose des Multiplen Myeloms. Hauptmerkmal ist eine gesteigerte, fast unbegrenzte Vermehrung der erkrankten Plasmazelle im Knochenmark.

Auswirkungen des Multiplen  Myeloms
Auswirkungen des Multiplen Myeloms auf den Körper

Folgen für andere Blutzellen

Eine Folge der starken Plasmazellvermehrung ist, dass die anderen Blutzellen, also die roten Blutkörperchen, die Blutplättchen und die anderen weißen Blutkörperchen im Knochenmark verdrängt werden, weil sich die bösartige Plasmazelle unkontrolliert vermehrt und ausbreitet. Dadurch kann es zu Störungen im Sauerstofftransport (rote Blutkörperchen), bei der Immunabwehr (weiße Blutkörperchen) oder beim Wundverschluss (Blutplättchen) kommen.

Schädigung der Knochen und Anstieg des Kalziums im Blut

Die bösartigen Plasmazellen (Myelomzellen) sitzen im Knochenmark und sorgen indirekt für den Abbau des Knochens. Dieser Vorgang wird auch Osteolyse genannt. Als Folge werden die Knochen porös und das in den Knochen enthaltene Kalzium wird frei und gelangt ins Blut. Ihr Arzt spricht dann von einer Hyperkalzämie. Dieser erhöhte Kalziumspiegel kann sich wiederum negativ auf andere Körperfunktionen auswirken und beispielsweise zu Herzrhythmusstörungen führen.

Infektanfälligkeit und Nierenschäden

Antikörper bestehen aus mehreren Komponenten, u. a. aus den sogenannten schweren und den leichten Ketten. Teilweise produzieren die Myelomzellen nur Bruchstücke der funktionslosen Antikörper. Bei diesen Bruchstücken handelt es sich beispielsweise um die bereits erwähnten leichten Ketten. Diese können sich auch als „Kristalle“ (Amyloid) in den Organen anreichern. Das führt wiederum zu eingeschränkten Funktionen der betroffenen Organe. Über den Urin werden die leichten Ketten ausgeschieden. Ist die Konzentration dieser leichten Ketten besonders hoch, so können sich diese auch in den Nieren anreichern und Nierenfunktionsstörungen verursachen.

Verdickung des Blutes

Sehr große Mengen des Paraproteins im Blut können zu einer Verdickung des Blutes führen. Als Folge können Durchblutungsstörungen auftreten.

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Diagnose

Welche Symptome spüren Sie als Patient mit einem Multiplen Myelom?

Das Multiple Myelom kann sich durch eine Vielzahl unterschiedlicher Symptome bemerkbar machen. Es kann aber auch sein, dass die Diagnose nur zufällig im Rahmen einer Blut- oder Urinuntersuchung beim Arzt oder im Krankenhaus gestellt wird und Sie vorher gar nichts von der Erkrankung gespürt haben. Bei etwa jedem vierten Betroffenen werden Hinweise auf ein Multiples Myelom entdeckt, bevor für den Erkrankten Symptome spürbar sind.1 Bitte sehen Sie hierzu auch die Abbildung.

Vermehrung von Myelomzellen und Symptome

 

Wie bereits erwähnt, können die Beschwerden des Multiplen Myeloms sehr vielfältig sein. So ist es möglich, dass Sie aufgrund des Knochenabbaus Schmerzen in Ihren Knochen verspüren. Sehr große Mengen des Paraproteins im Blut können zu einer Verdickung des Blutes führen. Als Folge können Durchblutungsstörungen auftreten, die unter anderem Kopfschmerzen, Schwindel sowie Hör- und Sehstörungen oder sogar Krampfanfälle verursachen können. Ihr Arzt spricht dann von einem Hyperviskositätssyndrom. Das Paraprotein wird beim Wasserlassen ausgeschieden. Das kann sich bei Ihnen durch schäumenden Urin bemerkbar machen. Die gestörte Bildung von Blutzellen kann auch dazu führen, dass Sie sich sehr müde, schwach und abgeschlagen fühlen. Das nennt man Anämie und in diesem Fall werden zu wenig rote Blutkörperchen produziert. Sind Sie anfälliger für Infektionen und bekommen öfter Erkältungen, als Sie es gewohnt sind, dann kann das an einem Mangel an gesunden weißen Blutzellen liegen. Ein Mangel an Blutplättchen kann wiederum zu einer vermehrten Blutungsneigung wie Nasenbluten führen. Es kann auch sein, dass die sogenannten "B-Symptome" wie Nachtschweiß, Gewichtsverlust und Fieber auftreten.

Da das Multiple Myelom sehr vielfältige Symptome aufweist, ist die Diagnose nicht immer einfach zu stellen. Auch hier - wie bei allen Erkrankungen – ist es wichtig, dass Sie einen Termin mit Ihrem Arzt vereinbaren, sollten Sie sich unwohl fühlen. Folgende Symptome können möglicherweise ein Hinweis darauf sein, dass Sie an einem Multiplen Myelom leiden könnten:

Mögliche Symptome eines Multiplen Myeloms

Mögliche Symptome eines Multiplen Myeloms

 


Es können auch noch weitere Symptome auftreten. Hierbei ist wichtig zu wissen, dass alle beschriebenen Anzeichen eines Multiplen Myeloms auch bei völlig harmlosen Erkrankungen auftreten können. Sollten Sie eines oder mehrere dieser Anzeichen entdecken, heißt das nicht automatisch, dass Sie an einem Multiplen Myelom erkrankt sind.


Diagnose des Multiplen Myeloms

Sollte der Arzt anhand Ihrer Krankheitsgeschichte (Anamnese), der körperlichen Untersuchung und Ihrer Symptome den Verdacht auf ein Multiples Myelom haben, können folgende Untersuchungen durchgeführt werden, um den Verdacht zu bestätigen oder um ein Multiples Myelom ausschließen zu können:

Bei der Labordiagnostik werden das Blut und der Urin des Patienten genauestens untersucht. So kann mithilfe des Blutbildes festgestellt werden, welche Zellen zu viel und welche zu wenig im Blut vorhanden sind. Zudem lassen sich unter dem Mikroskop Veränderungen der Zellen gut erkennen. Zur Sicherung der Diagnose „Multiples Myelom“ werden Blut und Urin u. a. durch eine spezielle Zusatzuntersuchung, die Plasmapherese (Serumeiweiß-Elektrophorese oder Immunfixationselektrophorese) im Labor untersucht. Als auffällig gilt dabei ein sogenannter M-Gradient. Dieser kommt durch den Anstieg des Paraproteins zustande, das bei Patienten mit Multiplen Myelom in der Regel erhöht ist. Auch der Urin wird auf erhöhte Mengen des Paraproteins untersucht.

Sollten im Blut und Urin weitere Anzeichen eines Multiplen Myeloms – wie z. B. das Paraprotein – gefunden werden, wird auch das Knochenmark untersucht. Bei dieser Untersuchung kann festgestellt werden, ob im Knochenmark eine Vermehrung der Plasmazellen vorliegt. Darüber hinaus können die Plasmazellen auf mögliche Veränderungen im Erbgut untersucht werden (Zytogenetik). Ergibt die Untersuchung des Knochenmarks, dass Sie an einem Multiplen Myelom erkrankt sind, werden Ihre Knochen mit bildgebenden Verfahren untersucht, um die Ausprägung der Erkrankung und den Zustand der Knochen genauer beurteilen zu können. Beispielsweise können durch die Computertomographie (CT) Schädigungen der Knochen, die eine Folge der Ansiedlung der bösartigen Plasmazellen (Myelomzellen) sind, erkannt werden. Als weiteres bildgebendes Verfahren kommt die Magnetresonanztomographie (MRT) zum Einsatz. Die Plasmapherese und die Knochenmarkuntersuchungen dienen zur Sicherung der Diagnose des Multiplen Myeloms. Die anderen Werte aus Blut und Urin erregen zwar den Verdacht auf diese Erkrankung, können aber auch bei anderen Erkrankungen auftreten und sind deswegen nicht krankheitsspezifisch. Bitte sprechen Sie mit Ihrem Arzt und ziehen ihn jederzeit ins Vertrauen, wenn Sie sich Sorgen machen und Fragen zu den einzelnen Untersuchungen haben.

Einteilung der Formen des Multiplen Myeloms

Bei der Diagnosestellung des Multiplen Myeloms spielt der bereits erwähnte M-Gradient eine wichtige Rolle. Dieser gibt an, ob Paraproteine im Blut vorliegen. Die Einteilung des Multiplen Myeloms erfolgt anhand der vermehrten Paraproteine. Sind etwa besonders viele Paraproteine der Antikörperklasse IgG im Blut, so spricht Ihr Arzt von einem IgG-Myelom. Die IgG- und IgA-Myelome sind hierbei die häufigsten Formen.1

Da sich die Behandlung nach dem Stadium der Krebserkrankung richtet, ist es wichtig, dass Ihr Arzt das genaue Stadium Ihrer Erkrankung bestimmt. Hierfür werden wichtige Parameter im Blut gemessen, die Aufschluss über den Fortschritt der Erkrankung geben:

  • Beta-2-Mikroglobulin: Hierbei handelt es sich um ein Eiweiß (Protein), das auf der Oberfläche vieler Zellen im Körper zu finden ist. Bei Patienten mit Multiplem Myelom kann der Beta-2-Mikroglobulin-Wert erhöht sein.
  • Laktatdehydrogenase (LDH): Dieses Enzym kommt z. B. in erhöhten Konzentrationen im Körper vor, wenn Zellen geschädigt werden oder absterben. Ist der LDH-Wert erhöht, so deutet das auf eine gesteigerte Aggressivität der Krebserkrankung hin. Das bedeutet, dass sich die Krebszellen besonders schnell vermehren.
  • Albumin: Dieses Eiweiß befindet sich im menschlichen Blut. Niedrigere Albumin-Werte können ein Hinweis auf eine Krebserkrankung sein.
  • Mit den Ergebnissen der Untersuchungen kann Ihr Arzt den Schweregrad Ihrer Erkrankung feststellen (Krankheitsstadium). Die Einteilung erfolgt gemäß der Stadieneinteilung der International Myeloma Working Group (ISS). Die sogenannte R-ISS-Stadieneinteilung enthält die Klassen I, II und III2. Das Stadium I weist hierbei die günstigste, das Stadium III die ungünstigste Prognose auf.
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Behandlung

Wie kann ein Multiples Myelom behandelt werden?

Es ist klar, dass die Diagnose Multiples Myelom eine große Belastung darstellt und Sie als Patient stark verunsichert. Viele Fragen drängen sich auf und gehen Ihnen durch den Kopf, z. B. wie kann die Erkrankung behandelt werden und was bedeutet sie für mein Leben. Das Multiple Myelom ist derzeit leider noch nicht heilbar, doch intensive wissenschaftliche Forschung hat in den letzten Jahren zu immer besseren Behandlungsmöglichkeiten geführt. Ihr Arzt wird Sie genau informieren, welche Therapie bei Ihnen infrage kommt. Grundsätzlich stehen mehrere Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Mögliche Therapien einem Multiplen Myelom

 

    Bei der Chemotherapie kommen spezielle Medikamente zum Einsatz, die das Zellwachstum hemmen – sogenannte Zytostatika. Dadurch sollen die Tumorzellen an ihrem Wachstum gehindert werden und absterben. Bei der Hochdosis-Chemotherapie mit anschließender Stammzelltransplantation werden die Medikamente viel höher dosiert als bei einer klassischen Chemotherapie. Dadurch sollen die Krebszellen noch effektiver bekämpft werden. Leider geht die erhöhte Dosierung mit mehr Nebenwirkungen einher. Da hierbei auch die Blutstammzellen zerstört werden, erfolgt im Anschluss eine Stammzelltransplantation. Diese Methode ist derzeit die Standardbehandlung bei Patienten mit einem Multiplen Myelom. Aber auch der Allgemeinzustand und das Alter des Patienten sind entscheidend. Auch Proteasom-Inhibitor können bei der Behandlung zum Einsatz kommen. Proteasomen bauen alte Eiweiße (Proteine) im Körper ab und „recyceln“ diese. Da Myelomzellen besonders viele Antikörper herstellen, benötigen sie auch viele dieser „Recycling-Proteine“. Proteasom-Inhibitoren hemmen die Proteasomen in den Myelomzellen und helfen so bei der Krebsbekämpfung. Weiterhin stehen Immunmodulatoren zur Verfügung, die eingesetzt werden, um das körpereigene Immunsystem zu „modulieren“, also zu beeinflussen. Beispielsweise fördern sie die Vermehrung verschiedener Immunzellen, wirken entzündungshemmend und können das Wachstum von Krebszellen behindern. Darüber hinaus kann die Antikörpertherapie bei der Behandlung des multiplen Myeloms angewendet werden. Hierfür kommen biotechnologisch hergestellte Antikörper zum Einsatz. Der Vorteil ist, dass sich diese Antikörper direkt gegen die Krebszellen richten. Die Antikörper erkennen spezifische Strukturen auf den Zelloberflächen der Myelomzellen und sorgen für deren Eliminierung. Ebenfalls können Histon-Deacetylase (HDAC)-Inhibitoren bei der Krebstherapie eingesetzt werden. Dies sind Hemmstoffe, die sich gegen bestimmte Eiweiße in den Krebszellen richten. So können HDAC-Inhibitoren beispielsweise in den Zellzyklus der Krebszellen eingreifen und somit deren Wachstum reduzieren oder den Zelltod der Krebszellen einleiten.

    Bei der Behandlung des multiplen Myeloms gibt es noch weitere Behandlungsmöglichkeiten, wie beispielsweise die Strahlentherapie. Über die einzelnen Therapien und deren Wirkweisen wird Sie Ihr Arzt umfassend informieren.

    Wie ist der Verlauf des Multiplen Myeloms?

    Der Verlauf der Erkrankung kann sehr unterschiedlich sein. So ist es möglich, dass die Erkrankung die Lebenserwartung kaum eingeschränkt, während andere Patienten eine ungünstigere Prognose mit einem schnellen Fortschreiten des Multiplen Myeloms aufweisen.

    Warum sind Verlaufskontrollen wichtig?

    Bei den Verlaufskontrollen wird hauptsächlich geprüft, wie gut die Therapie bei Ihnen anschlägt. Schlägt die Therapie nicht gut genug an, kann Ihr Arzt sie entsprechend anpassen. Weiterhin sind Verlaufskontrollen wichtig, um rechtzeitig ein Rezidiv, d. h. einen Rückfall bzw. das Wiederauftreten der Erkrankung, zu erkennen. Sollte dies der Fall sein, kann rechtzeitig mit einer weiteren Therapie begonnen werden. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Sie regelmäßig Ihre Termine zur Verlaufskontrolle wahrnehmen, auch wenn Sie keine Beschwerden haben sollten.

    Wer behandelt Sie?

    Die für Sie geeignete Therapie wird Ihr behandelnder Arzt ausführlich mit Ihnen besprechen. An der Therapie eines Multiplen Myeloms können Ärzte verschiedener Fachrichtungen beteiligt sein, dazu zählen Hämatologen (Fachärzte für Bluterkrankungen), Onkologen (Fachärzte für Krebserkrankungen), Nephrologen (Fachärzte für Nierenerkrankungen), Radiologen (Fachärzte für bildgebende diagnostische Verfahren) und Radioonkologen (Fachärzte für Strahlentherapie).

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    Wichtig während der Behandlung

    Wenn Sie die Diagnose Multiples Myelom erhalten, wird Sie das sicherlich erst einmal schockieren und viele Fragen in Ihnen hervorrufen. Das ist nur zu verständlich, doch wir möchten Sie bitten, sich nicht die Hoffnung nehmen zu lassen! Sie haben die Möglichkeit, die Behandlung des Multiplen Myeloms und den Krankheitsverlauf positiv zu unterstützen. Ganz wichtig ist, dass Sie die Arzttermine wahrnehmen und Ihre Medikamente regelmäßig einnehmen. Bitte trinken Sie auch genug Wasser am Tag und achten auf eine gesunde Lebensweise mit ausreichend Schlaf. Versuchen Sie Infektionsrisiken zu vermeiden. Teilen Sie Ihrem Arzt sofort mit, wenn neue Beschwerden auftreten oder sich bereits bestehende Symptome (z. B. Fieber, Knochenschmerzen) verstärken. Sollten Sie Fragen zu Ihrer Behandlung oder Erkrankung haben, zögern Sie nicht Ihren Arzt darauf anzusprechen. Denken Sie an sich und vergessen Sie – trotz der Diagnose Multiples Myelom – nicht Ihre seelische Gesundheit. Es kann sehr hilfreich sein, Ihr soziales Umfeld in die Erkrankung einzubeziehen oder auch psychologische Betreuungsangebote wahrzunehmen. So können Sie mit speziell ausgebildeten Psychoonkologe, vor denen Sie und Ihre Angehörigen oder Freunde bei einer Erkrankung wie dem Multiplen Myelom stehen. Nehmen Sie diese Angebote an! Es ist oft auch sehr hilfreich, sich mit anderen Patienten in ähnlichen Situationen auszutauschen und Selbsthilfegruppen zu kontaktieren oder deren Treffen zu besuchen. Viele weitere Unterstützungsangebote und Tipps finden Sie hier unter Leben mit Krebs, Hilfe und Austausch und Beruf und Krebs.

    Behandlung Multiples Myelom

     

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    Heilungschancen

    Ist das Multiple Myelom heilbar? Diese Frage stellen sich Betroffene nach der Diagnose. Nach heutigem Stand kann das Multiple Myelom leider von keiner der verfügbaren Therapien vollständig geheilt werden. Der Verlauf dieser Krebserkrankung kann von Patient zu Patient sehr unterschiedlich sein und lässt sich daher schwer vorhersagen. Dennoch ist es heutzutage in einigen Fällen möglich lange Remissionszeiten von bis zu 10 Jahren oder mehr zu erreichen.3

    Therapieziele

    Bei der Therapie stehen drei wesentliche Behandlungsziele im Vordergrund:

    Stabilisierung: Durch eine nachhaltige Behandlung und die Bekämpfung der Krebsaktivität soll eine Stabilisierung des aktuellen Krankheitszustandes erreicht und eine Verschlechterung der Symptome verhindert werden.

    Linderung: Ein weiteres Ziel liegt darin, die Symptome der Krebserkrankung zu lindern.

    Remission: Hierunter versteht man die Abschwächung der Zeichen und Beschwerden der Krebserkrankung oder die Beschwerdefreiheit. Eine Remission ist nicht gleichzusetzen mit Heilung.

    Was versteht man unter Remission?

    Im Rahmen der Behandlung von Krebserkrankungen spricht man häufig von einer „Remission“. Doch was bedeutet das genau? „Remission“ kommt aus dem Lateinischen und heißt übersetzt so viel wie „Rückgang“. Man unterscheidet verschiedene Formen der Remission.

    Vollremission oder Komplettremission:

    Bei einer Vollremission sind keine Anzeichen der Erkrankung mehr nachweisbar. Es bestehen keine Symptome und auch in den Laboruntersuchungen und in sonstigen Untersuchungen können keine Anzeichen auf das Bestehen der Erkrankung gefunden werden. Komplettremission bedeutet „krankheitsfrei“. Eine Komplettremission ist jedoch nicht gleichzusetzen mit einer Heilung.

    Teilremission:

    Teilremission bedeutet, dass die Krankheit weiter fortbesteht, aber in einem geringeren Ausmaß als vor der Therapie. Das kann am Beispiel des Multiplen Myeloms bedeuten, dass der Patient keine Symptome seiner Erkrankung mehr verspürt, aber in Untersuchungen des Blutes, des Urins oder des Knochenmarks sich noch weiterhin veränderte Zellen oder sonstige Veränderungen nachweisen lassen. Diese sind nur noch gering ausgeprägt. Bildhaft kann man also von „krank, aber weniger stark“ sprechen.

    Ab wann eine Voll- oder Teilremission erreicht wird, ist genau festgelegt. Hierüber wird Sie Ihr Arzt umfassend informieren.

    Wie ist die Lebenserwartung beim Multiplen Myelom?

    Eine schwierige und unangenehme Frage, die Sie sich vielleicht stellen werden. Sie wollen, genau wie viele andere Patienten auch, wissen, wie viel Lebenszeit Ihnen bleibt. Das Multiple Myelom ist eine sehr heterogene Erkrankung, d. h. sie ist bei jedem Patienten unterschiedlich ausgeprägt. Die medizinische Vorhersage des Krankheitsverlaufs, auch Prognose genannt, beruht daher auf vielen verschiedenen Faktoren. Ihr allgemeiner Gesundheitszustand beeinflusst die Prognose genauso wie Ihr biologisches Alter, das Stadium des Multiplen Myeloms und eventuell weitere vorliegende Erkrankungen. Das Krankheitsstadium kann daher nur einen Hinweis auf die Prognose geben. So liegt die 5-Jahres-Überlebensrate im Stadium I nach ISS bei ca. 80 %, im Stadium II bei ca. 60 % und im Stadium III bei 40 %.1 Bitte lassen Sie sich von diesen Zahlen nicht verunsichern, die nur Schätzwerte darstellen und bei jedem Patienten anders sein können.

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    Wer ist betroffen?

    Das Multiple Myelom betrifft vor allem erwachsene Männer und Frauen zwischen dem 70. und 79. Lebensjahr.1 Jährlich wird in Deutschland bei ca. 3.600 Männern und ca. 2.900 Frauen ein Multiples Myelom festgestellt.1 Bei Menschen, die jünger als 40 Jahre alt sind, wird das Multiple Myelom sehr selten beobachtet.1

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    Ursachen

    Die genauen Ursachen sind leider nicht vollständig bekannt. Bestimmte Chemikalien und Strahlen, Viren und ein geschwächtes Immunsystem stehen im Verdacht, Auslöser für das Multiple Myelom sein zu können. Es ist aber kein individueller Auslöser bekannt und bei den meisten Patienten findet sich kein spezifischer Grund.

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    Aktuelle Forschung

    Weiterhin wird an den Ursachen des Multiplen Myeloms und an neuen Therapieansätzen geforscht. Dabei konnten schon große Fortschritte gemacht werden. Durch die Weiterentwicklung neuer Medikamente und Medikamentenkombinationen konnte die Überlebenszeit von Patienten mit Multiplem Myelom in den letzten Jahren gesteigert werden.1 Gerade versuchen Ärzte und Forscher intensiv, bestimmte Charakteristika – sogenannte Biomarker – des Multiplen Myeloms zu finden. Diese Biomarker können dem Arzt helfen, die Behandlung auf jeden Patienten individuell einzustellen.4

    Forschung Multiples Myelom

    Referenzen:
    1. DGHO-Leitlinie Multiples Myelom, Stand Mai 2018. Abrufbar unter www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/multiples-myelom/@@view/html/index.html.  Letzter Zugriff am 13.11.2019.
    2. Palumbo A et al.: Revised International Staging System for Multiple Myeloma: A Report From International Myeloma Working Group, 2015; J Clin Oncol. 33:2863-2869.
    3. Pharma Fakten e.V., Experte Prof. Dr. Einsele: Europa hinkt bei Krebsforschung hinterher, 03.06.2019. Abrufbar unter https://www.pharma-fakten.de/news/details/778-experte-prof-dr-einsele-europa-hinkt-bei-krebsforschung-hinterher/. Letzter Zugriff am 12.12.2019.
    4. M. Bustoros et al. Established and Novel Prognostic Biomarkers in Multiple Myeloma, American Society of Clinical Oncology, Educational Book 37 (October 29, 2018) 548–560.
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    Broschüren & Downloads

    Broschüren und Downloads

    Broschüren und Downloadmaterialien

    Hier finden Sie Ratgeber und Broschüren zu verschiedenen Krebsarten sowie unterstützendes Material während einer Krebserkrankung.

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