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Hautreaktionen durch Chemotherapie

Wenn die Haut besondere Aufmerksamkeit braucht

Eine Chemotherapie mit klassischen Zytostatika kann eine Vielzahl an Hautreaktionen hervorrufen. Für Patienten bedeutet das oft eine Einschränkung der Lebensqualität. Es gibt jedoch Möglichkeiten, unerwünschten Reaktionen vorzubeugen. Erfahren Sie, was Sie zur Prävention und Früherkennung unterschiedlicher Hautreaktionen tun können und wie sich Beschwerden lindern lassen.

Hauttrockenheit, Hautpilz- und Herpes-Infektionen

Häufige Nebenwirkung einer Chemotherapie ist eine trockene Haut. Dies kann bereits einige Wochen nach Therapiebeginn auftreten. Nimmt die Trockenheit weiter zu, kann das zu einem Ekzem mit Rötung, Schuppung und Juckreiz führen. Insbesondere der Juckreiz schränkt die Lebensqualität der Patienten meistens sehr stark ein. Auch Sekundärinfektionen sind möglich: Durch Hauttrockenheit können sich beispielsweise schmerzhafte Risse der Haut, so genannte Fissur und Rhagade, an Zehen oder Fingerspitzen bilden.

Um dem entgegenzuwirken, reicht oftmals das regelmäßige Eincremen mit einer Lotion, Creme oder Salbe, die Glycerol, Dexpanthenol oder Harnstoff enthält. Solche Präparate sind in der Apotheke erhältlich. Außerdem sollte auf langes Duschen verzichtet werden. Zum Waschen lauwarmes Wasser verwenden – heiße Bäder sind jetzt keine gute Idee. Damit die empfindliche Haut nicht versehentlich aufgekratzt wird und dadurch Sekundärinfektionen entstehen können, sollten die Fingernägel möglichst kurz gehalten werden. Wenn es trotz einer feuchtigkeitserhaltenden und rückfettenden Basispflege weiterhin juckt und Ekzeme auftreten, kann der Arzt weitere Pflegetipps geben oder eine Behandlung gegen die Hauttrockenheit einleiten.

Im Zuge einer Chemotherapie kommt es leider immer wieder auch zu Hautpilz-und Herpesinfektionen. Diese müssen in jedem Fall vom Arzt behandelt werden.

Haarausfall

Bei einer Chemotherapie kann Haarausfall auftreten. Er entsteht, weil die Zellen zur Verankerung der Haare in der Haut angegriffen werden. Ist der Haarverlust sehr stark, wird von „Alopezie“ gesprochen. Nach Ende der Chemotherapie wachsen die Haare jedoch schnell wieder nach.

Um eine Alopezie zu verhindern, sollten Sie bei einigen Zytostatika im wahrsten Wortsinn einen kühlen Kopf bewahren – und die Kopfhaut kühlen. Sprechen Sie Ihren Arzt oder Pflegenden darauf an, ob das bei Ihnen zutrifft. Fallen die Haare dennoch aus, erfolgt ein Schwenk von kühl zu warm: Jetzt muss der Kopf mit Kopftuch, Mütze oder Perücke bedeckt werden, um ihn möglichst warm zu halten. Auch die Augenbrauen können mit ein paar Handgriffen „aufgehübscht“ werden. Wie Sie Ihre Brauen durch Make-Up betonen, erfahren Sie in unserem Videoservice.

Klassisches Hand-Fuß-Syndrom

Schmerzhafte Hautrötungen an den Handflächen und Fußsohlen sind oft Zeichen des so genannten klassischen Hand-Fuß-Syndroms. In der Regel tritt es wenige Wochen nach Beginn der Chemotherapie auf. Erste Anzeichen sind Störungen wie etwa Taubheit oder Kribbeln an den Fußsohlen oder in den Handflächen. Manchmal kommt es auch zu einem brennenden Schmerz. In der Regel sind die Fußsohlen stärker betroffen. Äußerlich macht sich das Syndrom durch Hautrötungen mit ödematösen Schwellungen bemerkbar, die sich oft zu Blasen entwickeln. In diesem Fall kann je nach Weisung des behandelnden Arztes ein Herabsetzen der Dosis oder sogar eine Unterbrechung der Therapie geraten sein, so dass die Beschwerden schnell und merklich zurückgehen.

Gegen das Hand-Fuß-Syndrom hilft eine vorbeugende, mehrmals täglich durchgeführte Pflege der Haut mit Urea-haltiger Creme (5-10%). Auf der anderen Seite sollten sowohl Druck als auch Reibung, ferner Hitze und längerer Kontakt mit Wasser vermieden werden. Auch heiße, lange Duschen entfallen in dieser Zeit. Natürlich sind Reinigungsmittel und chemische Noxen wie etwa Gifte, Toxine und Drogen ebenfalls nicht förderlich für das Wohlbefinden der Haut.

Nagelveränderungen

Veränderungen der Nägel sind bei einer Chemotherapie nicht selten und können sowohl kosmetische als auch schmerzhafte Folgen haben. So treten etwa ein bis zwei Monate nach Beginn einer Chemotherapie Farbveränderungen auf. Die Färbung kann dabei weiß, braun oder schwarz sein und den Nagel teilweise oder komplett betreffen. Nach Beenden der Therapie wachsen solche Verfärbungen heraus. Weitere mögliche Nebenwirkungen der Chemotherapie auf Nägel und Nagelbett sind Nagel-Ablösungen oder Nagelbettentzündungen.

Wer frühzeitig gegenwirken will, sollte Finger- und Fußnägel genau beobachten, die Nagelhaut täglich eincremen – und die Nägel gerade und kurz, aber nicht zu kurz schneiden, um ein eventuelles Einwachsen zu verhindern. Noch mehr Schutz bieten Baumwollhandschuhe, Baumwollsocken und natürlich bequemes Schuhwerk. Lässt sich der Einsatz von Nagellackentferner nicht verhindern, sollte es in jedem Fall eine acetonfreie Variante sein. Noch besser: gleich medizinischen Nagellack gegen brüchige Nägel nehmen, denn der vermehrte Wasserkontakt der Hände kann die Nägel aufweichen.

Wenn sich Nägel bzw. Nagelbett entzündet haben, kann auch hier bei bestimmten Chemotherapeutika das Kühlen der Hände und Füße den Nagelveränderungen vorbeugen. Sprechen Sie Ihren Arzt oder Pflegenden darauf an, Ihr behandelnder Arzt kann den Erreger per Abstrich identifizieren. Der jeweilige Erreger kann dann mit antiseptischen Bädern bekämpft werden.

Schleimhautprobleme

Eine Chemotherapie kann auch eine Entzündung der Mundschleimhaut hervorrufen. Umso wichtiger ist eine sorgfältige Mundpflege.

Nutzen Sie eine Mundspülung mit Wasser oder einer Kochsalzlösung, um den Mund zu befeuchten. Die Reinigung der Zahnzwischenräume darf auch nicht vergessen werden. Aber wenn es aufgrund von empfindlichem Zahnfleisch zu Zahnfleischblutungen kommen sollte, dann muss auf Interdentalbürsten oder Zahnseide verzichtet werden. Darüber hinaus sollten Patienten auf Alkohol, zuckerhaltige Getränke wie Softdrinks, auf Tabak, scharfe oder heiße Speisen sowie auf säurehaltige Lebensmittel verzichten.

Tritt trotz gründlicher Mundpflege eine Entzündung der Mundschleimhaut auf, so müssen die damit einhergehenden Symptome kontinuierlich beobachtet und ärztlich untersucht werden.

Hautveränderungen im Kontext von Neuropathien

Auch eine Neuropathie, eine Erkrankung der Nerven, kann unerwünschter Begleiter einer Chemotherapie sein. Bemerkbar macht sie sich beispielsweise durch Taubheit oder ein Kribbeln in Händen.

Zur Vorbeugung helfenregelmäßige Übungen: einfach ab Therapiebeginn ein Funktionstraining der Finger und Zehen durchführen. Es ist sehr wichtig, eine Neuropathie früh zu erkennen. Achten Sie deshalb besonders auf „seltsame“ und unangenehme Empfindungen, auf Taubheitsgefühle, Muskelkrämpfe, Störungen der Feinmotorik, Spontanschmerzen im Ruhezustand oder auch auf Bewegungs- oder Berührungsschmerzen und Hautveränderungen.

Kommt es zu einer Neuropathie-Erkrankung, muss das Feststellen solcher Gefühlsstörungen unverzüglich dem Arzt gemeldet werden. Eine frühzeitige Meldung der Symptome und eine leichte Anpassung der Therapie kann Spätfolgen erfolgreich verhindern. Hilfreiche Beweglichkeits- und Gleichgewichtsübungen zur Behandlung einer Polyneuropathie, finden Sie in unserem Videoservice für Zuhause. Der behandelnde Arzt kann zur Symptomlinderung zusätzlich Medikamente verschreiben.

 

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