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Mangelernährung und Tumorkachexie

Wenn Abnehmen zum Problem wird

Eine Erkrankung geht oft Hand in Hand mit einem erheblichen Gewichtsverlust. Das gilt auch und vor allem für Krebserkrankungen, deren Folgen oft in einer Mangelernährung bestehen. Das bedeutet: Der Körper bekommt nicht mehr ausreichend Nährstoffe oder kann sie nicht behalten, was die Widerstands- und Heilkräfte des Patienten zusätzlich schwächt.

Eine Mangelernährung liegt dann vor, wenn durch die Ernährung weniger Energie aufgenommen als verbraucht wird. „Bei Krebspatienten wird eine besonders schwere Form der Mangelernährung als Tumorkachexie bezeichnet“, erklärt Matthias Hellberg-Naegele, Pflegeexperte für den Bereich Onkologie an der Uniklinik Freiburg. „Eine Mangelernährung kann viele Ursachen haben“, weiß Hellberg-Naegele. „Bei einem Tumor im Magen-Darm-Trakt wie ein Pankreas-, Magen- oder Speiseröhrentumor kann zum Beispiel die Erkrankung selbst der Grund für eine Mangelernährung sein. Oftmals können aber auch Nebenwirkungen der Therapie größere Auswirkungen auf den Ernährungszustand nehmen. So führt eine Operation im Kopf-und Halsbereich in manchen Fällen zu Kau- und Schluckbeschwerden und eine Chemotherapie wird häufig von Übelkeit sowie Geschmacks- und Geruchsveränderungen begleitet.“

Tumor löst chemische Reaktionen im Körper aus

Eine Mangelernährung gehört zu dem häufigsten Symptom einer Krebserkrankung. Rund die Hälfte aller Patienten ist davon betroffen und verliert im Laufe der Erkrankung an Gewicht. Eine Tumorkachexie kann entstehen, wenn der Krebs chronische Entzündungen hervorruft und den Stoffwechsel anregt. Dabei werden so genannte Zytokine, Botenstoffe des Immunsystems, aktiv und beeinflussen den Hormon- und Stoffwechselhaushalt. Durch diese Vorgänge kommt trotz des Verlusts von Fett- und Muskelmasse kein Hungergefühl auf. Zusätzlich tragen auch die Zytokine selbst durch die verstärkte Zersetzung von Eiweiß zum Abbau von Muskulatur bei. 

Von Übelkeit bis Entzündung: therapiebedingte Nebenwirkungen

Doch sind es nicht nur solche Vorgänge, die den Krebspatienten im wahrsten Wortsinn den Appetit rauben. Auch die Begleiterscheinungen einer Therapie können das auf verschiedene Arten bewirken. Übelkeit und Erbrechen, ein vorzeitiges Sattheitsgefühl, Veränderungen des Geschmacksempfindens, aber auch und vor allem Mundtrockenheit, Entzündungen der Mundschleimhaut und des Zahnfleisches, Pilzinfektionen des Mundraums sowie Verstopfung oder Durchfall tragen dazu bei, dass der Patient kontinuierlich abnimmt. „Eine schwere Mangelernährung liegt dann vor, wenn der Patient unbeabsichtigt über zehn Prozent des Körpergewichtes in den letzten sechs Monaten verloren hat. Das gilt auch für adipöse Menschen, auch wenn hier der Gewichtsverlust als erfreulich gedeutet werden kann“, führt Hellberg-Naegele aus.

Schwäche mindert Lebensqualität

Laut Hellberg-Naegele äußere sich eine Tumorkachexie neben einem erheblichen Gewichtsverlust durch eine reduzierte Muskelkraft, Fatigue und einer verminderten Immunabwehr. Ebenso deuten auffällige Laborwerte wie der Nachweis entzündlicher Prozesse auf eine Kachexie hin. Dass diese Erscheinungen nicht zum Therapieerfolg beitragen, liegt auf der Hand. Appetitlosigkeit und ein kontinuierliches Schwächegefühl beeinträchtigen die Lebensqualität – und machen anfälliger für Infektionen, Entzündungen und eine verzögerte Wundheilung. Zudem, so vermuten Experten, schränken Mangelernährung und Kachexie die Lebenserwartung allgemein ein – und verschlechtern demzufolge auch die Prognose bei einer Krebserkrankung.

Speiseplan nach persönlichem Geschmack

Ein wichtiger Ansatz der Mangelernährung entgegen zu wirken, ist eine Ernährungstherapie. Im Vordergrund steht hierbei ein individueller Ernährungsplan mit kalorien- und eiweißreichen Nahrungsmitteln, der im Idealfall durch eine psychologische Unterstützung ergänzt wird. Das A und O beim Speiseplan  ist dabei die Abwechslung. Dabei gilt: Was immer dem Patienten am besten schmeckt, ist unbedingt zu bevorzugen. Das gilt allerdings nicht oder nur mit Einschränkungen für besonders scharfe, saure oder süße Speisen, die eine Reizung der Schleimhäute hervorrufen können. Kann keine feste Nahrung aufgenommen werden, kann der Betroffene auf Trinknahrung oder passierte Gerichte ausweichen. Sollte eine Trinknahrung nicht mehr genügen, muss auf eine Ernährung über eine Sonde zurückgegriffen werden.  

„Eine Tumorkachexie ist ein schwerwiegendes Symptom und wird häufig unterschätzt. Eine begleitende Ernährungstherapie sollte möglichst frühzeitig, am besten bei der Diagnose begonnen werden, wenn es Anzeichen für eine Mangelernährung gibt. Auch sind Sport und Bewegung während der Therapie eine gute Ergänzung um dem Abbau der Muskelmasse entgegenzuwirken“, resümiert Hellberg-Naegele.

Tipps und Rezepte zu der richtigen Ernährung bei Krebs finden Sie auch in der Broschüre „Leben und Genuss – Essen und Trinken bei Krebs“ sowie in unserem Videoservice.

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