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Vulvakarzinom

Oft nur Zufallsbefund beim Gynäkologen

Als Vulva werden die außenliegenden Geschlechtsorgane der Frau bezeichnet. Dazu gehören Schamhügel, große und kleine Schamlippen, der Kitzler (Klitoris) und der Scheideneingang. Tumoren in diesem Bereich bleiben lange ohne Beschwerden und werden zumeist im Rahmen der gynäkologischen Vorsorgeuntersuchung entdeckt.

Krankheitsbild

Das Vulvakarzinom betrifft in den meisten Fällen die großen Schamlippen. Da es im frühen Stadium meist ohne Beschwerden verläuft, ist der regelmäßige Gang zum Frauenarzt (Gynäkologen) die beste Vorsorge. Das häufigste und zu Anfang meist auch einzige Symptom ist ein starker Juckreiz des äußeren Genitalbereichs. In frühen Stadien können zudem kleine rötliche, leicht erhabene warzenähnliche Flecken oder Verhärtungen auftreten, sowie Brennen, Schmerzen und blutiger Ausfluss.

Epidemiologie

In den letzten Jahren war ein deutlicher Anstieg der Neuerkrankungszahlen beim Vulvakarzinom zu verzeichnen: Es erkrankten im Jahr 2012 etwa 3.200 Frauen an diesem Karzinom. Vor zehn Jahren lag die Zahl der Neuerkrankungen sogar bei weniger als der Hälfte. Anders als bei den meisten anderen gynäkologischen Tumoren stieg auch die Zahl der Todesfälle durch das Vulvakarzinom etwas an. Zuletzt starben etwa 830 Frauen jährlich an dieser Erkrankung.

 

Anteil des Vulvakarzinoms bei Frauen in Deutschland im Verhältnis zu anderen Krebserkrankungen. Erstellt nach: Zentrum für Krebsregisterdaten; Krebs in Deutschland 2011/2012, 10. Ausgabe, 2015.

Risikofaktoren

Eine Infektion mit humanen Papillomviren (HPV) steigert die Wahrscheinlichkeit, an einem Vulvakarzinom zu erkranken. In den vergangenen Jahren war vor allem ein Anstieg der durch HPV bedingten Vorstufen des Vulvakarzinoms zu verzeichnen. Eine frühzeitige HPV-Impfung kann einer Infektion mit den gefährlichsten Arten des Virus vorbeugen. Zudem gelten Rauchen und Alkoholmissbrauch als große Risikofaktoren für die Entstehung eines Vulvakarzinoms. Eine langanhaltende medikamentöse Unterdrückung des Immunsystems (Immunsuppression), beispielsweise nach Organtransplantation oder bei HIV-Erkrankung, kann das Risiko ebenfalls erhöhen. Auch andere Krebserkrankungen im Genitalbereich sowie deren Vorstufen stellen einen Risikofaktor dar.

Unterteilung

Etwa 90% der Vulvakarzinome entstehen aus der obersten Hautschicht, dem Plattenepithel. Diese werden in zwei Typen unterteilt: nichtverhornende und verhornende Karzinome. Die nichtverhornenden Plattenepithelkarzinome stehen in Zusammenhang mit einer chronischen Infektion mit HPV, die verhornenden entstehen unabhängig von einer HPV-Infektion. Der erste Typ tritt meist bei jüngeren Frauen mit dem Durchschnittsalter von 55 Jahren auf. Der zweite hingegen kommt primär bei Frauen mit einem Durchschnittsalter von 70 Jahren vor und ist mit 65-80% der Fälle der häufigste Typ des Vulvakarzinoms. Risikofaktoren für verhornende Vulvakarzinome sind besonders degenerative und chronisch entzündliche Erkrankungen der Haut.

Diagnostik und Therapie

Besteht nach der gynäkologischen Vorsorgeuntersuchung der Verdacht auf ein Vulvakarzinom, kann der Frauenarzt mithilfe eines Kolposkops gezielter vorgehen. Zudem können durch Ultraschalluntersuchung oder andere bildgebende Verfahren wie Röntgen oder Computertomographie eventuelle Auffälligkeiten erkannt werden. Eine Gewebeentnahme (Biopsie) mit anschließender feingeweblicher Untersuchung (Histologie) wird zur Sicherung der Diagnose vor allem dann vorgenommen, wenn es sich nicht um eindeutige Befunde handelt. Das Ergebnis dieser Untersuchung zeigt an, welches Stadium vorliegt. Danach richtet sich die Vorgehensweise der Behandlung.

Als Therapieoptionen beim Vulvakarzinom werden primär Operation (OP) oder Strahlentherapie eingesetzt.

Bei einer Operation muss der Tumor mit einem zusätzlichen Rand von etwa 10mm als Sicherheitsabstand zum gesunden Gewebe entfernt werden. Je nach Größe des Tumors kann es auch erforderlich sein, die gesamte Vulva zu entfernen.

Eine unterstützende Strahlentherapie wird empfohlen, sollte der Sicherheitsabstand von 10mm bei der OP nicht eingehalten werden können. Eine alleinige Strahlentherapie wird lediglich bei medizinisch nicht operablen Patientinnen mit palliativer Zielsetzung angewendet. Eine Chemotherapie kann zur palliativen Therapie bei einer bereits gestreuten Erkrankung eingesetzt werden.

Es gibt zahlreiche zertifizierte gynäkologische Krebszentren, die sich auf diese Krebserkrankung spezialisiert haben. Bei der Deutschen Krebsgesellschaft finden Sie eine stetig aktualisierte Liste.

Prognose

Konnte ein Vulvakarzinom im Rahmen der gynäkologischen Vorsorgeuntersuchung in einem frühen Stadium entdeckt und entsprechend behandelt werden überleben circa 70% der betroffenen Frauen die nächsten fünf Jahre.  Je weiter sich der Tumor aber bereits ausgedehnt hat, desto ungünstiger ist die Prognose.

Weiterführende Informationen finden Sie bei der Deutschen Krebsgesellschaft. Dort sind beispielsweise detailliert Symptome und Behandlungsmöglichkeiten aufgelistet. Zusätzliche Informationen zu Stadien und Behandlungsmöglichkeiten finden Sie zudem in den aktuellen Leitlinien der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften).

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