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Akute myeloische Leukämie (AML)

Nach Diagnosestellung ist ein schneller Therapiestart notwendig

Die akute myeloische Leukämie (AML) ist eine bösartige Veränderung einer bestimmten Form von unreifen Blutvorläuferzellen. Sie wird im früheren Kindesalter oder verstärkt bei Menschen ab dem 65. Lebensjahr festgestellt. „Akut“ steht für einen plötzlich auftretenden und rasch voranschreitenden Krankheitsverlauf, der einer sofortigen Therapie bedarf. „Myeloisch“ benennt den Blutzellentyp, der von dem Krebs betroffen ist.

Krankheitsbild

Charakteristisch für eine AML ist das plötzliche Auftreten von Symptomen, die als Folge der abrupt und unkontrolliert ansteigenden Zahl an unreifen und funktionslosen Blutzellen (Blasten) auftreten. Bei AML-Patienten reifen die so genannten myeloischen Vorläuferzellen nicht zu ausgereiften Blutzellen (rote und weiße Blutkörperchen sowie Blutplättchen), sondern entwickeln sich zu funktionslosen Blasten und verdrängen die gesunde Blutbildung im Knochenmark. Eine gesunde Blutbildung ist für Sauerstofftransport, Infektionsabwehr und Blutgerinnung notwendig. Die Symptome der AML reichen von einem allgemeinem Krankheitsgefühl, Schwäche, Blässe und Müdigkeit bis hin zu blauen Flecken oder Zahnfleischbluten sowie Lungen- oder Mandelentzündungen und Fieber. Diese Symptome können aber auch durch andere Krankheiten verursacht werden, weshalb eine Abklärung durch einen Arzt unumgänglich ist.

Was ist die Akute Myeloische Leukämie und welche Symptome gibt es? PD Dr. med. Christoph Röllig erklärt:

Epidemiologie

Pro Jahr erkranken von 100.000 Menschen etwa 3 bis 4 neu an einer AML. Das Erkrankungsrisiko ist im früheren Kindesalter erhöht und steigt ab dem 65. Lebensjahr erneut an. Das mediane Erkrankungsalter liegt bei 72 Jahren.

Anteil der AML bei Frauen und Männern in Deutschland im Verhältnis zu anderen Leukämieformen. Erstellt nach: Zentrum für Krebsregisterdaten; Krebs in Deutschland 2011/2012, 10. Ausgabe, 2015

Risikofaktoren

Bei einer AML kann in den meisten Fällen kein klarer Erkrankungsgrund festgestellt werden. Dennoch existiert eine Reihe an Ursachen, die das Entstehen einer AML begünstigen können. Dazu zählen ionisierende Strahlung, Belastung durch Benzol, Bluterkrankungen in der Vergangenheit, eine vorangegangene Chemotherapie, Mineralölprodukte, Herbizide, Pestizide und Rauchen.

Unterteilung

Die AML ist keine einheitliche Erkrankung, lässt sich aber anhand verschiedener Zellmerkmale in Klassen einteilen. Diese Einteilung ist eine wichtige Hilfe für die Auswahl der geeigneten Therapie, denn die Leukämiezellen der verschiedenen AML-Unterarten reagieren auf eine Chemotherapie unterschiedlich empfindlich.

Diagnostik und Therapie

Die Diagnose einer AML erfolgt aus den veränderten Zellen im Blut sowie mittels einer Knochenmarkpunktion. Es werden neben verschiedenen Eigenschaften der Leukämiezellen auch genetische Veränderungen untersucht (u. a. mittels einer zytogenetischen Untersuchung), die für die Therapieentscheidung und die Prognoseeinschätzung wichtig sein können.

Wie wird AML diagnostiziert?

Die Therapie der AML orientiert sich nach der vorliegenden AML-Unterart sowie am biologischen Alter und dem Allgemeinzustand des jeweiligen Patienten. Zum Einsatz kommen Chemotherapien und zielgerichtete Therapien sowie Stammzelltransplantation. Wichtig ist in jedem Fall ein schneller Behandlungsbeginn nach der Diagnosestellung.

Erfahren Sie mehr über die Therapiemöglichkeiten der AML

Prognose

Die Prognose einer AML variiert stark, je nachdem welche Unterart vorliegt und welche Therapie für den betroffenen Patienten in Frage kommt. Sofern eine intensive Behandlung (z.B. Chemotherapie) aufgrund des Alters oder des Allgemeinzustandes des Patienten nicht in Frage kommt, stehen Alternativen bereit, die die Krankheit zurückdrängen und das Leben verlängern können.

Wie schätzt der Experte die heutige Prognose bei AML ein?

Weitere Informationen finden Sie in den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und medizinische Onkologie (DGHO) und in der Broschüre des Kompetenznetzes Leukämien.

 

Der Experte PD Dr. med. Christoph Röllig, MSc.:

ist Facharzt für Innere Medizin mit dem Schwerpunktbereich Hämatologie/internistische Onkologie. Er ist am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden tätig und behandelt hauptsächlich Patienten mit akuten Leukämien oder mit multiplem Myelom. Des Weiteren leitet er das überregionale Krebsregister für Patienten mit akuter myeloischer Leukämie (SAL-Studienzentrale).

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