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Lebertumoren

Alkoholmissbrauch ist nicht die einzige Ursache

Leberkrebs ist eine seltene Tumorerkrankung, zählt aber aufgrund seiner schlechten Prognose weiterhin zu den zehn häufigsten krebsbedingten Todesursachen. Meist entwickelt sich der Krebs aus einer Leberzirrhose. Die Leberzirrhose ist die Folge einer chronischen Lebererkrankung und stellt eine Vernarbung der Leber dar. Deshalb weisen die meisten Patienten eine lange Krankengeschichte auf. Häufigste Ursachen für eine Zirrhose sind Infektionen mit Hepatitis-Viren oder jahrelanger Alkoholmissbrauch.

Krankheitsbild

Es gibt keine verlässlichen Frühsymptome für einen bösartigen Lebertumor. Tumoren können sich aber durch einen Druckschmerz im rechten, oberen Bereich des Bauches bemerkbar machen. Manchmal kann schon bei einer Tastuntersuchung eine Vergrößerung der Leber festgestellt werden. Aufgrund der mit der Krankheit fortschreitenden Abnahme der Leberfunktion (Leberinsuffizienz) leiden viele Patienten unter Gelbsucht. Außerdem können auch Symptome auftreten, die nicht durch das Tumorwachstum entstehen. Dazu gehören beispielsweise die Vergrößerung der Brustdrüse beim Mann (Gynäkomastie), erhöhte Blutfettwerte und Unterzuckerung.

Epidemiologie

Jährlich erkranken in Deutschland circa 6.000 Männer und 2.500 Frauen neu an Krebs. Die Anzahl der Todesfälle ist ungefähr gleich hoch. Leberkrebs gehört zu den zehn häufigsten Todesursachen im Zusammenhang mit Krebs, tritt aber vergleichsweise selten auf. Männer erkranken im Schnitt mit 71 Jahren, Frauen sind 74 Jahre alt, wenn die Erkrankung auftritt. Die vergleichsweise hohe Anzahl erkrankter Männer im Gegensatz zu den Frauen ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass Männer statistisch gesehen risikoreicher leben.

Anteil von Leberkrebs bei Männern und Frauen in Deutschland im Verhältnis zu anderen Krebserkrankungen. Erstellt nach: Zentrum für Krebsregisterdaten; Krebs in Deutschland 2011/2012, 10. Ausgabe, 2015.

Risikofaktoren

Bei etwa 80 % aller Patienten mit Leberkrebs ist eine Leberzirrhose die Ursache der Tumorentstehung. Eine Zirrhose kann Folge verschiedenster Erkrankungen sein. Das größte Risiko besteht bei Patienten mit einer chronischen Hepatitis B- oder C-Infektion. Auch jahrelanger, übermäßiger Alkoholkonsum spielt eine große Rolle bei einer Leberzirrhose und damit bei der Entstehung einer Krebserkrankung. Zunehmend rückt auch die Bedeutung einer Leberverfettung bei Übergewicht als mögliche Ursache einer chronischen Lebererkrankung einschließlich eines erhöhten Leberkrebsrisikos in den Fokus.

Unterteilung

Lebertumoren werden nach der so genannten TNM-Klassifikation eingeteilt. Maßgeblich hierfür ist die erstens Tumorgröße, zweitens ein Hineinwachsen des Tumors in andere Gewebe (T) und drittens der Befall von Lymphknoten (N) sowie die Ausbildung von Metastasen (M). Eine genaue Erklärung der TNM-Klassifikation finden Sie auf der Seite des Krebsinformationsdienstes. Zusätzlich dazu gibt es bei Lebertumoren die so genannte Barcelona- oder BCLC-Klassifikation, in der die Leberfunktionsleistung berücksichtigt wird. Die Einteilung in diese Klassifikation ist von großer Bedeutung für die Therapieentscheidung.

Diagnostik und Therapie

Die Krankengeschichte eines Patienten kann vor allem bei einer bekannten Leberzirrhose oder den dafür ursächlichen Risikofaktoren bereits einen Hinweis auf eine Tumorerkrankung liefern. Vor allem die Ultraschalluntersuchung ist ein wichtiges Mittel zur Diagnosefindung. Eine Computertomographie oder eine Magnetresonanztomographie können genaueren Aufschluss über die Größe des Tumors geben. Bei einer Blutuntersuchung kann außerdem das Vorhandensein eines bestimmten Proteins (alpha-Fetoproteins) ein wichtiger Hinweis für die Diagnose Leberkarzinom sein.

Die Therapie richtet sich nach der Größe und der Ausdehnung des Tumors. Nur in 20 % der Fälle ist ein solitärer Tumor vorhanden, bei dem eine operative Teilentfernung der Leber (Teilresektion) mit dem Ziel einer Heilung durchgeführt werden kann. Sofern eine Operation nicht möglich ist, können kleinere Tumoren auch durch nicht-operative Eingriffe zerstört werden. Man kann mit einer Nadel von außen durch die Haut in den Tumor stechen und Alkohol einspritzen (PEI; Perkutane Ethanolinjektion), Hitze einbringen (RFA; Radiofrequenzablation) oder mittels einer Sonde über die versorgenden Gefäße schädigende Substanzen in den Tumor einbringen (TACE; Transarterielle Chemoembolisation). Ziel dieser so genannten lokalablativen Verfahren ist die Zerstörung des Tumorgewebes.

Die Mehrheit der Patienten leidet an einem multizentrischen Leberkarzinom. Bei diesen stellt eine Lebertransplantation die einzige Möglichkeit zur Heilung dar. Neben diesen Verfahren gibt es auch zielgerichtete Medikamente, die den Verlauf der Erkrankung verzögern können. Klassische Chemotherapien weisen nur eine geringe Wirksamkeit auf.

Prognose

Die Prognose von Lebertumoren ist eher ungünstig. Die relative 5-Jahres-Überlebensrate liegt nur bei etwa 10%. Daher ist bei Patienten mit bekannter Leberzirrhose eine regelmäßige Vorsorge, u. a. mit einer Ultraschalluntersuchung, sehr wichtig.

Zur Vorbeugung von Leberzirrhosen dienen Impfungen gegen Hepatitis B, die frühzeitige Therapie von Infektionen mit Hepatitis-C-Viren sowie ein geringerer Alkoholkonsum. Auch die Vermeidung von Übergewicht und zu fettreicher Ernährung sollte beachtet werden.

Weiterführende Informationen zu Diagnose, Prävention und Behandlung finden Sie in den Leitlinien zum Leberkarzinom.

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